Vor dem ersten Licht am Wasser, Nebel über der Gauja, ruhige Hand. Was der Fluss hergibt, holen wir selbst — und verwerten es ganz: Fleisch, Rauchware, Fell. Kein Zwischenhändler, kein Sojaersatz, keine Ausreden.
Neun Sekunden Wald, Rauch und ein Biber, der weiß, was er will. Läuft stumm an — Ton gibt es per Klick, wenn die Nachbarn Verständnis haben.
Alfons Biberbrutzelmann kam 1963 mit einem Boot, einem Messer und einer Mission in die Wälder Lettlands, an einen Nebenarm der Gauja. Im Dorf erzählen sie heute noch von dem Winter, in dem er allein zum Damm an der alten Mühle ging und mit drei Tieren und einem gefrorenen Bart zurückkam.
Seine Enkelin sitzt dieselben Ansitze an, mit demselben Messer im Gürtel. Gejagt, zerlegt und geräuchert wird alles dort, wo es herkommt: mitten im Wald, 400 Meter vom Wasser bis zum Rauchschrank. Wer sein Fleisch nur aus dem Kühlregal kennt, lernt hier ein anderes Tier kennen.



Ein Biber gibt vier Edelstücke her und sehr viel Arbeit. Vier Schritte, alle unter unserem Dach, keiner davon abzukürzen.
Rücken, Keule, Vorderläufe, Bauch. Von Hand am Block, wie es der Alte gezeigt hat.
Sieben Tage am Knochen bei 1,5 °C. Danach entscheidet der Metzger, was frisch geht und was in den Rauch.
Kalträucherung über Buche und Wacholder, bis zu zwölf Monate Reifezeit für den Schinken.
Felle pflanzlich gegerbt und von Hand ausgestrichen. Eine Mütze, die dreißig Winter hält.

Überall wird das Essen blasser: Plastikschale, Etikett, keiner weiß mehr, woher es kommt. Bei uns ist das anders — und das bleibt so. Wer bei uns kauft, weiß, aus welchem Revier sein Fleisch stammt und wer es zerlegt hat.
Ein Biber, der reguliert wird, wird andernorts entsorgt. Bei uns wird er ein Sonntagsbraten, ein Schinken für zwölf Monate und eine Mütze für den Enkel. Das ist keine Nische. Das ist die ältere Art.
Vorbestellung und Hofabholung, Kühlversand innerhalb Deutschlands. Die Saison macht die Menge, nicht der Kalender.
Jedes Tier aus unseren Revieren steht hier mit Namen, Alter und Gewicht. Manche hängen zerlegebereit in der Kammer, andere ziehen noch ihren Damm. Du wählst — wir liefern genau dieses Tier, mit Kopie des Reviereintrags. (Kein Tier existiert, keine Entnahme findet statt — Satire.)
Du übernimmst ein Jungtier am Damm, gibst ihm einen Namen und bekommst zweimal im Jahr Bericht vom Revier: Gewicht, Bauarbeiten, Fotos vom Ansitz. Wird das Tier entnommen, geht es ganz an dich — Fleisch, Fell, Schädel, wie du es willst.
Satirische Überzeichnung eines rückwärtsgewandten Jagd-Marketings. Bei uns dürfen natürlich alle Kinder mit — es gibt sie nur nicht.
Aus Jungen werden hier Jäger. Kein Bildschirm, kein Betreuer mit Klemmbrett — nasse Stiefel, ein Ansitz vor Sonnenaufgang und ein Vater oder Großvater daneben, der zeigt, wie man es macht. Wer den ersten Winter durchhält, weiß danach, wovon er redet.
Zum Mitsingen am Lagerfeuer — kommt in Kürze.




„Ein Jahr lang gab es bei uns nur T-Rex, Triceratops und Diskussionen. Nach einem Vormittag am Damm hieß es: ‚Papa, Dinos sind ausgestorben. Biber nicht.‘ Da war das Thema durch.“
„Unser Jonas kam nach zwei Nächten im Wald zurück und hat seitdem kein Wort mehr über Minecraft verloren. Er redet jetzt nur noch über Dämme.“
„Ich war skeptisch wegen des Messers. Aber die Lehrerin sagt, er sitzt jetzt still. Sechs Stunden. Ohne Bildschirm. Wie am Ansitz.“
„Mein Enkel kann jetzt ein Feuer schlagen, eine Spur lesen und schweigen. Drei Dinge, die ich seinem Vater nie beibringen konnte.“
„Bester Kindergeburtstag ever. Zwei Kinder haben geweint, alle wollen wieder hin.“
Rücken, Keule, Wurst und Rauchware der laufenden Jagd, 189 € je Kiste. 120 Haushalte, mehr gibt der Wald nicht her. Ein Platz wird frei, wenn einer aufgibt.